
Über die Schwof-Kolumne:
Tanzen ist eine Leidenschaft. Und in der Tanzszene passiert auch das eine oder andere. Diese Kolumne berichtet über Amüsantes und Interessantes. Verfolgen Sie diese Kolumne auch via twitter unter twitter.com/tanztwit.
Flanieren für 60 Euro
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Noch nicht mal einen Sitzplatz gibt es für 60 Euro auf dem Philharmonie-Ball Essen. Das ist wider jeden Anstands, ärgert sich tanzen24.info-Kolumnist Jörg Stroisch.
Ich tanze gerne, sehr gerne sogar. Und ich mag auch Tanzbälle ab und an sehr gerne. Seitdem der Saalbau in Essen renoviert wurde, gibt es dort den . Dieses Jahr wird er am 26. Februar stattfinden.
Aber anscheinend müssen die Renovierungskosten zügig wieder eingespielt werden: 60 Euro kostet die billigste Karte. Wer bei diesem Preis nicht den ganzen Abend tanzen will – muss stehen. Denn dafür gibt es ausschließlich das Recht, durch die Hallen des Saalbaus zu wandeln, eine Flanierkarte eben.
Ich empfinde das als eine Zumutung:
- Programm: Als der Saalbau noch alt war, veranstaltete hier zum Beispiel die Tanzschule Overrath jedes Jahr ihren Gala-Ball. Und das für einen Bruchteil der Eintrittspreise (etwa 20 D-Mark) und bei weitaus besserem Programm: Legendär ist zum Beispiel der Auftritt des damals amtierenden Tango-Argentino-.Weltmeisterpaares, lange bevor dann in Berlin und anderswo in Deutschland dann der Tango-Hype ausbrach. Auch die Tanzschule Lentz feierte hier bei moderaten Preisen ihren Jubiläumsball – mit tollem Programm.
- Stadtstruktur: Essen ist eine arme Stadt, die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Armut im Stadtbild sichtbar. Klar, wir sind nun Kulturhauptstadt 2010. Aber mal ehrlich: Die vielen sozialen Probleme des Strukturwandels kann dieses Geldverbrennungsprojekt allenfalls kurzfristig kaschieren, nicht aber beheben. Das braucht Zeit und eine innovative Stadt- und Regionenpolitik. Aber Essen ist nunmal nicht Köln, München oder Hamburg, wird es auch niemals sein. Das ist ja nun auch prinzipiell nichts Schlechtes: Im Ruhrgebiet wohnt nicht der kulturelle Snobismus, sondern das Unternehmertum und die fähige Arbeiterschaft. Die Preise für den Philharmonieball suggerieren aber, dass hier neben den paar Bredeney-Snobs tatsächlich einen berechtigten Nährboden für eine solche Dekandenz gibt. Dem ist aber nicht so.
Und an die Nebenkosten wie etwa Verpflegung und Getränke will ich jetzt mal gar nicht denken...
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Datum: 23.02.2010 09:00:00 Uhr
Autor: Jörg Stroisch
