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Über die Schwof-Kolumne:

Tanzen ist eine Leidenschaft. Und in der Tanzszene passiert auch das eine oder andere. Diese Kolumne berichtet über Amüsantes und Interessantes. Verfolgen Sie diese Kolumne auch via twitter unter twitter.com/tanztwit.

Das Grinsen beim Tanzen

Ob Tango Argentino oder Turniertanz: Der Gesichtsausdruck verrät viel über den Tanz und seine Interpreten, lästert tanzen24.info-Kolumnist Jörg Stroisch.

Der starre Blick links an der Partnerin vorbei, die Mundwinkel spannen sich extrem, Schweiß rinnt von der Stirn. Dazu eine Tanzpartnerin, die mit geschlossenen Augen und eng am Kopf des Mannes – genießt? Dazu melancholische Musik. Klar: Das kann nur der Tango Argentino sein. Der Inbegriff tänzerischer Erotik – denn schließlich wurde der Tango in argentinischen Bordellen erfunden – ist für Anfänger vor allem eins: unglaublich anstrengend. Die Konzentration steht den Tänzern also ins Gesicht geschrieben und verleiht dem Tanz damit eine umso ernsthaftere Atmosphäre.

Starres Dauergrinsen von Turniertanzpaaren



Aber immer noch besser als das starre Dauergrinsen vieler Turniertanzpaare, denn die Tango Argentino-Anfänger (und auch Fortgeschritten) leiden ja wirklich. Doch für die Klassiktanzszene gilt: Anscheinend ist es wichtiger Bestandteil der Benotung – neben so unwesentlichen Dingen wie dem Taktgefühl oder der technischen Fähigkeit – wie aufgesetzt das Grinsen wirkt. Je aufgesetzter also, desto besser. Und zack ist der Streit hinter der Bühne hinweggefegt und auf der Tanzfläche herrscht eitler Grinse-Sonnenschein.

Irgendwie passt auch das wiederum: Denn zu einem affektierten Menschenschlag passt nunmal am besten das schleimige und opportunistische Dauergrinsen. Und leider, leider ist diese Einstellung ja auch ein bisschen Bestandteil der Amateurtanzszene. Man will sich weniger amüsieren, denn doch mehr produzieren. Sozusagen in den neidischen Blicken seiner Tanzkonkurrenten sonnen.

Und somit ist es auch nicht verwunderlich, dass viele deutsche Tänzer ihr Können an der Anzahl der abgerissenen Figuren festmachen. Je mehr Figuren der Tänzer drauf hat, desto besser ist er demnach. Deutsche Leistungsgesellschaft eben, auch auf der Tanzfläche. Die zwischenmenschliche Tanzharmonie bleibt hinter dieser Auffassung und dem statischen Dauergrinsen leider auf der Strecke.

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Datum: 26.05.2010 09:00:00 Uhr
Autor: Jörg Stroisch